Wir
hatten uns alle gefreut, im Kloster Michaelstein Projektchor sein zu
dürfen. Drei Tage zuvor wurde Sturm angesagt, etwa
so heftig wie Kyrill sollte er werden. Er kam auch- zwei
Stunden vor der Abfahrt mit Regengüssen, Blitz, Donner,
Hagel und etwa Windstärke 11. Die Haustür konnte man
nicht öffnen, geschweige denn zur Haltestelle gehen.
Aber dann geschah das Wunder. Der Sturm
zog nach einer Stunde weiter, und wir erreichten
den
Bus trockenen Fußes. In Michaelstein ging es gleich los mit
1 Std. Stimmtraining und weiteren etwa 2 Std. Übung
für die Dirigenten. Fast alle waren schon mehrere Jahre
Chorleiter. Hier wollten sie weitere Rafinessen des Dirigierens
erlernen.
"Zeigen Sie mit der linken Hand den Basseinsatz an
und winken Sie gleichzeitig den Alt ab! Führen Sie
mit dem Arm einen großen Bogen, wenn der Chor die
Töne aussingen soll, und wedeln Sie dabei nicht so
herum, halten Sie die Ellbogen am Körper. Wenn ein Komma im
Text steht, muss man es auch singen! Der Chor singt die
Lieder auch ohne Dirigenten. Zeigen Sie ihm, wie Sie es haben
möchten und immer etwas eher anzeigen, als
gesungen wird." Die armen Dirigenten. Sie hatten unser
Mitgefühl. Man konnte Knoten in die Arme bekommen,
wenn man alles beachten wollte. Nach einer angenehm langen Mittagspause
begannen wir wieder mit Stimmübungen, denen das
Dirigiertraining folgte. Wir bekamen ein Lob, wie leicht es sei, mit
uns zu singen. Liebe Dirigenten, wir sind sonst nicht so brav. Wir
befürchteten, dass
man uns zum Dirigieren |
nach
vorn holt, wenn wir nicht aufpassen.
Scherz beiseite: Das Dirigieren ist das eine, das
Einüben das andere und der Auftritt das Besondere. Wir hatten
gewissermaßen den ganzen Tag Auftritt.
Schließlich zeigte Herr Tietze in einem
Kabinettsstückchen, wie man das Scherzlied "Ein Jäger
längs dem Weiher ging" zu einem Kriminalstück
ausbauen konnte. Das war sehr spaßig. An anderer
Stelle mussten wir auch schmunzeln, wenn die Dirigenten
unseren Männern einen Part gaben, den sonst die
Frauen singen und umgekehrt. Zum Schluss unseres Übungstages
wurden unsere
Stimmen noch einmal in Form gebracht. Im Übungsraum
stellte
man die Stühle um, schuf so einen Konzertraum und
schließlich war es an uns, ein
kleines Programm vorzutragen. Unser Dirigent hatte bis dahin mit im
Chor
gesessen, und mancher wird sich nun gewundert haben, dass es da noch
jemanden im Saal gegeben hatte, der das Dirigieren
perfekt beherrscht. Unsere Lieder waren dem Motto des Tages angepasst:
"Was nicht in den Noten steht". So war es nun an unserem Michael und an
uns, jedes Lied wie eine kleine spannende Geschichte zu
erzählen. Zum Schluss hatten wir ein gutes Gefühl. Im
Saal hatten einige sehr ernst geschaut und andere gelächelt.
Wir haben beides als Zustimmung gewertet.
Herzlichen Dank den Lehrern, Organisatoren und "Studenten". Wir
haben sehr viele gute Einsichten und Erkenntnisse
mitgenommen.
Das Mitwirken im Kloster Michaelstein war für uns
ein ganz besonderes Erlebnis. |