Unser
Chor eröffnete das Fest. Wir sangen konzentriert. Die Besucher
begleiteten jeden Ton und jede Nuance mit
großer Aufmerksamkeit. Vor uns saß ein
geschultes Publikum. Das forderte uns heraus. Später sagten
uns Zuschauerinnen, wir hätten sehr gut gesungen, ab- und
anschwellend, schnell und langsam, das "hat was".
Nach uns sang der Kammerchor Madrigal Eisleben. Wer ein Liebhaber
dieses Chores ist, freut sich immer wieder, wie leicht die
Sängerinnen und Sänger schwierige
Passagen bewältigen, wie locker ihnen die Töne von
den Lippen kommen. Ihr Auftritt war ein besonders schöner
Beitrag. Wie erstaunt aber waren wir, als dieser Chor nach
dem Abtreten vom
Bühnentreppchen den Hof verließ. Ein Notfall lag
offensichtlich nicht vor, denn draußen beriet man, wie
der angebrochene Tag noch verbracht werden sollte. Wir haben es alle
als unkameradschaftlich empfunden, dass ihr gegangen
seid, lieber Kammerchor Madrigal Eisleben. Wir hatten euch doch auch
aufmerksam zugehört.
Nun folgten noch Chöre aus Allstedt, Sangerhausen,
Heiligenthal, und Holdenstedt. Hübsche alte Lieder erklangen,
selten gehört das Heideröslein, schon öfter
"Und wieder blühet die Linde". Nicht so gut gefiel, so
äußerten sich mehrere
Zuhörer, das Vortragen von Schlagern. Man sollte sie eher bei
Vereinsfeiern singen.
Die Versorgung war, wie beim letzten Burgsingen, nicht auf
Weitgereiste, die schon am Vormittag losfahren mussten und gern auf der
Burg zu Mittag gegessen hätten,
eingestellt. Für einen Bratwurststand im Vorhof und
für eine
Gulaschsuppe wäre mancher von uns dankbar
gewesen. Vielleicht sind die Eislebener Sänger auch deshalb
abgefahren, weil sie mit ihren Familien auf der Burg gern noch ein Eis
gegessen hätten, aber keins bekamen.
Gibt es denn niemanden in Allstedt, der froh wäre, bei so
vielen Besuchern eine tolle Gastronomie zu bieten? Das Angebot war,
bitte nehmt es nicht übel, für
unsere geopferte Freizeit sehr dürftig, einfallslos und auch
sehr
teuer. Wir Chöre kenne uns nun schon alle gegenseitig
recht gut. Singen allein reicht nicht mehr, um in dieser Jahreszeit
viele Gäste, ob Chorsänger,
ältere Leute oder junge Familien herbei zu locken und ihnen ein
Fest zu bereiten. Werden die Familien mit Kindern zum nächsten
Sängerfest wiederkommen? Wohl kaum. Für sie gab es,
wie in Edersleben, absolut nichts Kindgerechtes. Die Kleinen
langweilten sich auch in Allstedt ohne Ende.
Allstedter, eure Burg ist wunderschön. Belebt sie! Holt
Gewerbetreibende mit Ständen herbei. Bietet Ponnyreiten an
oder ein kleines Karussell. Wenn es im Außenbereich
bleibt, stört es das Singen nicht. Schaut euch das
Sängerfest auf Burg Falkenstein an oder das
demnächst stattfindende Chor- und Volksfest in Wippra. Dort
erlebt
man, was die Leute heute froh stimmt und wohin sie in ihrer
Freizeit "strömen".
Ein Chor- und Volksfest in Schloss und Burg
Allstedt- das wäre doch etwas! |